Wie alles begann – die Geschichte von G. Lufft

Title Lufft site 1956Lufft-Fabrik 1956

Gotthilf Lufft (1848-1921) war in seinen jungen Jahren technischer Assistent am Polytechnikum in Stuttgart. Er hatte die Aufgabe wissenschaftliche Versuche vorzubereiten und die entsprechenden Instrumente und Einrichtungen zu bauen und zu warten.

1873, mit 25 Jahren, übernahm er das gut eingeführte Optikgeschäft S.F. Trostel in der Eberhardstrasse 37, in Stuttgart. Hier begann er noch im selben Jahr mit der Fertigung von Aneroiddosen. Aus der geradezu vorbildlichen Dokumentation des Hauses Lufft ist zu erfahren, dass diese Membrandosen in Deutschland zwar zu Beginn der 70er-Jahre schon bekannt waren, jedoch offensichtlich aus Frankreich importiert werden mussten! Ein Markt, dem sich G. Lufft sogleich mit großem Erfolg annahm. Zuerst in der Werkstatt seines Optikbetriebes, dann ab 1881 in der neu gegründeten „mech. Werkstatt G. Lufft“. Es wurden Aneroidbarometer, Kompasse, Hygrometer und sonstige meteorologische Instrumente gefertigt. Die Geschäfte liefen sehr gut und machten 1891 eine Verlagerung des Firmensitzes in die Katharinenstrasse 4, notwendig. Damit das Unternehmen sich auch zukünftig weiter entwickeln konnte, schaute sich G. Lufft rechtzeitig nach einem Grundstück um und fand es an der Weinsteige 22. Es wurde bebaut und im Jahre 1891 der komplette Firmensitz nach dort verlagert.

Gotthilf Lufft war ein vitaler Geschäftsmann, immer auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. So gab es in den Jahren vor 1914 kurze Ausflüge in die Acetylen-Schweißtechnik, die Fabrikation von Schieblehren, ja sogar in die Fototechnik. Zusammen mit den Gebrüder Nagel gründete er die „Contessa-Camera-Werke“. Letztere fusionierten 1926, zusammen mit C.P. Goerz und acht anderen Kameraherstellern, Sie erinnern sich, zur „ZEISS-IKON AG“.

Während des 1. Weltkriegs wurden Höhenmesser ins Programm mit aufgenommen und in großer Stückzahl produziert. Die Nachkriegszeit machte einen völligen Neuanfang notwendig.

Am 23.05.1921 verstarb der Firmengründer.

Nach einigen Turbulenzen um die Firmennachfolge, aufgrund derer der Sohn von Gotthilf Lufft kurz nach seinem Vater aus der Firma ausschied, übernahm den Neuaufbau der Schwiegersohn Dr. Richard Müller-Lufft (1869-1944). Das Unternehmen wurde in eine Familien-GmbH umgewandelt und ein neues Firmenlogo taucht auf. In der Folge erstarkte das Unternehmen zu alter Blüte, sodass im Jahre 1925, als Einstieg in den französischen Markt, gar die „Etablissements E. Hüe in Paris“, übernommen werden konnten. Ein starker Konkurrent wurde damit ausgeschaltet.
Ab 1932 wurden dann auch Bimetall-Thermometer gefertigt. Die Produktion lief in den 30er-Jahren auf Hochtouren. Sie umfasste die gesamte Palette der meteorologischen Instrumente für Heim und Industrie. Metallbarometer, Haarhygrometer, Höhenmesser, Registrier-Instrumente, Taschenkompasse, so ist zu lesen.


Die Umstände im Vorfeld des 2.Weltkriegs erzwangen im Jahre 1939 schließlich wieder den Verkauf von E. Hüe-Paris. Man zog sich auf seinen Standort in Stuttgart zurück. Während des Krieges wurden dort dann ausschließlich Membrandosen in großer Anzahl gefertigt.

Am 22.10.1944 verstarb Dr. Richard Müller-Lufft.

Nach dem Zusammenbruch im Jahre 1945, begannen auch für die Firma Lufft schwierige Jahre des Neuaufbaus. Unter der Leitung von Dipl. Ing. Erich Müller-Lufft , gepaart mit Schwäbischem Fleiß, gelang abermals ein Neustart aus dieser fast aussichtslosen Situation.

Die Firma Lufft erhielt ihren alten Glanz wieder. Qualität und nochmals Qualität zeichneten die Produkte aus. Der aufkeimende Klimaschutz erforderte neue Technologien und Messgeräte mit Fernablesung. Die Elektronik nahm daher Jahr für Jahr einen immer größeren Raum im Angebot ein.

Nach 115 Jahren wurde im Jahre 1986 endgültig die Fertigung der mechanischen Aneroidwerke eingestellt.
Heute ist die Firma G. Lufft GmbH einer der Marktführer auf dem Gebiet der klimatologischen Messtechnik.

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  1. Elisabeth Schick

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich verfüge inzwischen über etliche historische Sammelobjekte von Ihnen.
    Ob Kompasse, Altimeter oder Hygrometer, immer wieder bin ich begeistert über die verläßliche Funktion der Geräte auch noch nach Jahrzehnten.
    Aus diesem Grunde möchte ich gerne wissen, ob Sie mir ein Museum nennen können, in dem man Ihre Produkte aus den letzten 125 Jahren der Firmengeschichte bestaunen kann.
    Über eine Nachricht von Ihnen würde ich mich sehr freuen.
    Viele Grüße nach Stuttgart

  2. Helena Wingert
    Helena Wingert

    Sehr geehrte Frau Schick,
    das ist wirklich toll und ehrt uns sehr! Wir haben hier im Firmengebäude in Fellbach ein eigenes kleines Museum. Sie sind herzlich bei uns eingeladen!

    Freundliche Grüße
    Helena Wingert

  3. Reinhard Urbanke

    Sehr geehrte Frau Wingert,
    besitze einen Höhenmesser Lufft COMPENS. No. 17514 und möchte gerne mehr über Alter und Einsatzgebiet erfahren. Über eine Mitteilung würde ich mich sehr freuen.
    Auch würde mich das Firmenmuseum interessieren, zumal ich ganz in der Nähe im Remstal wohne.
    Freundliche Grüße
    Reinhard Urbanke

    • Helena Wingert
      Helena Wingert

      Sehr geehrter Herr Urbanke,

      ich schätze der COMPENS dürfte aus den Jahren 1930-1940 stammen. Es handelt sich hierbei um ein Barometer & Höhenmesser. Dieser wurde u.a. in der Lufftfahrt eingesetzt. Sie dürfen gerne bei uns in der Lufft-Zentrale vorbeischauen – wir freuen uns über Ihren Besuch.

      Freundliche Grüße
      Helena Wingert

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